Familie Rieck-Wien

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1972-1980

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1972-1980
Anfang 1972 kam auch Gina in die Krankenpflege. Sie wollte die Krankenpflegeschule besuchen um das Psychiatrische Diplom zu bekommen. Ich war zu dieser Zeit auf der Alkoholiker Station dem Pavillon 8. Ich war absolut NEU auf solch einer Station. Man musste sich erst auf die Patienten einstellen. Es war keine geschlossene Abteilung und so kam es immer wieder vor das sich Patienten irgendwie Alkohol besorgt haben und dann Stock betrunken auf der Station randaliert haben oder sie sich an einer langen Schnur Flaschen angehängt haben und sich diese in der Nacht in aller Ruhe herauf holten. Wir hatten auch immer wieder Probleme mit Patienten welche schon in der ANTABUS Kur waren und trotzdem getrunken haben. Da gab es viele Notfälle. Einmal hat ein Patient geglaubt weil ich neu bin geht einiges durch. Er hatte eine Tragtasche mit zwei 1Liter Flaschen eines Orangengetränks. Ich habe wie gewöhnlich in diese Tasche geschaut mussten aber feststellen die zwei gleichen Flaschen unterschiedlich Färbige Verschlüsse hatten. Herausgenommen stellte ich fest dass die Verschlüsse nicht original verschlossen waren. Habe ich die erste Flasche geöffnet war purer Wein drinnen, ebenso in der zweiten Flasche. Habe ich einen zweiten Pfleger herbei gerufen und wir haben den Wein in den Spülen Abfluss geleert. Somit musste ich bei meinen Diensten genau aufpassen. Es wurden vom Medikamentenwagen immer wieder Schlafmittel und Psychopharmaka gestohlen. Einmal kurzudrehen und es hat etwas gefehlt. So war ich immer bei der Medikamenten Ausgabe vorsichtig. Es musste immer hinter mir die Wand sein und die Patenten vor mir. Jedes Ablenkmanöver war gefährlich. Wir hatten einen Patienten der konnte Epileptische Anfälle spielen wie im Original. Da hieß es immer. Medikamentenwagen schließen absperren und dann erst weggehen. Dieser Schauspieler war ein begnadeter Maler. Er fertigte für die Ärzte und Primaria immer kostbare Bilder an. Der Mann mit dem Goldhelm. Kaiser Maximilian mit dem Apfel, Turmbau zu Babel, Mutter Gottes mit dem Kind und noch viel mehr.
Nur eines Tages erhielten wir die Nachricht er sein in einem Obdachlosen Asyl im Vollrausch über die Stiegen gestürzt und war tot.
Ich habe hier sehr viele Varianten der Alkoholsucht kennen gelernt.
Haben sie schon einmal einem Morphinisten beim aufziehen seines Stoffes zugesehen. Ein solcher Patient hat vom Primarius die Erlaubnis bekommen eine Ampulle zu bekommen. Da wir es gewöhnt waren diese von uns aufzuziehen und die Spritze dann dem Patienten zu geben. Der Patient sah noch zwei kleinste Tröpfchen in der Ampulle. Diese hat er sich auch aufgezogen mit einer abscheulichen Gier. Wie sich ein Mensch durch solche Mittel verändert. Mit der Zeit lernte ich auch die verschiedenen Halluzinationsarten kennen. Optisch, Taktil und Akustisch. Am gefährlichsten sind die Optisch Halluzinierenden Patienten. Weil da kann man plötzlich angegriffen werden. Taktil sind dann diejenigen die sich von Tieren verfolgt fühlen und gebissen werden. Die Akustiker sind die lautesten denn sie sprechen mit der weißen Frau. Sie hören Stimmen die sie beleidigen oder anders bedrängen.
Eben auf diesem Pavillon hat mich ein Patient auf die Waschmuschel geworfen. Ein dünnes Manderl aber mit Übernatürlichen Kräften.
Ergebnis dieser Attacke war ein Spitalsaufenthalt von 7 Monaten. Ich bin schon im Rollstuhl gefahren. Bin aber wieder heraus gekommen.
Der nächste länger Spitalsaufenthalt waren 2 Monate wegen einer infektiösen Hepatitis B Ergebnis eine Hepatitis A+ B mit einem Leberschaden. Es bringt mich jedes Mal auf die Palme wenn ich von einem Arzt wegen Alkoholkonsum angesprochen werde. Ich trinke nur gelegentlich Alkohol. 1/8 l Wein, einen kleinen Whiskey 0,2cl; Ich habe im Keller 80 Flaschen Rot und Weißwein. Rotweine die schon bei 30 Jahre alt sind. Da wir wirklich nur selten Wein trinken werden diese nie weniger. Wenn ein Autofahrer zu mir kommt werde ich den Wein nicht aufmachen sondern gebe ihn mit.
Gina hat die Diplomschule vorzeitig beendet weil sie war mit dem Kopf bei mir im Spital und nicht in der Schule.
1972 bis 1973 habe ich den Führerschein gemacht. Ich bin wie üblich bei der 1.Prüfung durchgefallen in Theorie. Die zweite Prüfung mit der Praktischen Prüfung habe ich trotzdem dass sehr viel Schnee und Eis war doch geschafft. Unser erstes Auto war ein CITROEN DS21 schon mit den Scheinwerfern unter Glas und den mitlenkenden Lichtquellen. Ein Traumauto, super Straßenlage, Seitenwind unempfindlich, eines Spitzenfederung und einer ausgezeichneten Bremse. Dann die Höhenverstellmöglichkeit. Ich bin über die wildesten Landstraßen und Wege gefahren ohne hängen zu bleiben. Der Vorderradantrieb war zuerst Gewöhnungsbedürftig. Im Fond hatte man Platz. Nur wer leicht Seekrank wurde durfte hinten nicht sitzen. Da wurde jedem nach ein paar Kilometer Speiübel!!!
Oktober 1978 sind wir dann umgezogen in eine große 96qm Wohnung mit Heizung, Bad, und WC. Wir hatten ein Wohnzimmer mit 40qm. Schlafzimmer und Arbeitszimmer mit je 20qm und mit begehbarem Schrank. Ich war glücklich ein Bad zu haben. Ich war der erste der die Wanne eingeweiht hat. Die Küche war dagegen sehr schmal. Mit meinem Rollstuhl hätte ich dort Probleme. Das Haus war sehr schön gelegen. Autobus, Straßenbahn, U Bahn ,und Schnellbahn in unmittelbarer Nähe. Das Haus hat 8 Stockwerke. 208 Mieter und nur 70 Autoabstellplätze in der Tiefgarage. Miete €70.- im Monat. Ober im 7. Stock zwei Riesige Terrassen und 2 Saunen und vier WCs. Im 8. Stock war dann ein Schwimmbecken 25Meter lang und 8 Meter breit. Mit Heizung und Filter. Eine blendende Idee. Nur darunter wollte ich nicht wohnen. Weil trotz Verbot immer wieder Leute ins Becken gesprungen sind und es sich unten anhört wie wenn eine UW Bombe losginge. Unten im gab es einen Kinderspielplatz überdacht. Er war sehr groß und für Tischtennis gedacht und eventuell für Veranstaltungen und Feste. Jedoch mit absolutem Rauchverbot und Ballspielverbot und nur mit Hausschuhe oder Turnschuhen zu betreten. Leider hat dieser Spielplatz in Kürze ausgesehen wie ein Misthaufen Zigarettenstummeln, benutzte Präservative und sonstigen Dreck lag da. Man hat dann den Spielplatz ab 22 Uhr gesperrt. Da es Damen gab welche Bauchtanzstunden nahmen und nicht wollten dass man von außen hineinsieht haben Jalousien machen lassen. Das war wieder für die Jugend ein Anreiz im Spielraum zu rauchen. Dann wurden die mit Gipskarton ummantelten Säulen durch Tritte so ruiniert. Man hat diesen Raum nicht mehr als Spielplatz erkannt. Nun wurde auf Kosten des Hauses (Allgemeinheit) wieder restauriert. Ab da haben die Leute welche Interesse hatten das die Kinder hinunter gingen gegen Unterschrift und Einverständnis der weitern Schadensreparaturen diese selbst zu übernehmen. So schnell konnte man nicht schauen haben die Kinder Freunde aus der Umgebung eingeladen und haben die Türe mit Steinen offen gehalten beim Hauseingang und beim Spielplatz und im Sommer oben am Dach zum Schwimmbad. Da waren oft mehr Fremde Kinder und Erwachsene in unserem Bad als von unseren Mietern. Meist am Vormittag hatten es die Damen eilig sich in die Sonne zu legen aber nackt. Da ich auch Wechseldienst hatte musste ich auch über die Terrasse von meiner Stiege zum Schwimmbad gehen. Hat sich einmal eine der Nackedeis furchtbar aufgeregt. Zu Silvester sind wir auf der Terrasse ins neue Jahr gerutscht. Die ersten Jahre war es noch schön. Aber es wurden immer mehr Kracher zwischen die Leute geworfen. Somit war es Uninteressant. Ich habe immer geglaubt der hohe Zins wird doch eine gewisse Selektion bedeuten. Fehler, es gab plötzlich Mieter wo das Sozialamt die Kosten übernahm. Die Kinder haben sich dann in Feuer legen geübt. Einmal im Keller und mehrmals im Aufzug. Dann wurden Garagenfenster eingeschlagen. Alles auf Kosten der Mietergemeinschaft. Es wurde immer unappetitlicher auf die Terrasse zu gehen oder ins Schwimmbad oder gar in die Sauna vom WC gar nicht zu reden. Man hat versucht das Bad ab 22 Uhr zu sperren. Ging nicht die Hausgemeinschaft war dagegen. Dafür wurden trotz Verbot Sexpartis und Saufgelage im Schwimmbad abgehalten Zerbrochenes weißes Glas im Becken sorgte für zerschnittene Fußsohlen. Die benützen Präservative im Becken schwimmend für Ekel und zwei zerstörten Pumpen. Von 34 Jahren die ich dort gewohnt habe war ich nur vielleicht 6 Jahre im Schwimmbad. Nach dem Alkoholiker Pavillon wurde ich dann auf einen geschlossenen Frauen Pavillon versetzt. Pav. 21. Das war wieder für mich eine gewaltige Umstellung. Obwohl Patient bei mir immer Patient war ohne speziell aufs Geschlecht zu schauen. Ich hatte plötzlich Mädchen und Frauen von 14 bis 101 Jahre. Die ordentliche Pflege dieser weiblichen Personen hat viel Fingerspitzengefühl gebraucht. Dann wie nehme ich eine rabiate Frau dass sie sich wieder beruhigt? Großes Problem war auch die monatliche Menstruation der Mädel und Frauen. Wir mussten eine genaue Menstruationsliste führen. So lernte ich zumindest den Zyklus einer Frau kennen mit all seinen Problemen. Da wir jetzt 5 Männer auf dieser Abteilung waren ging es den Schwestern besser beim Heben der oft sehr schweren Patientinnen. Unsere Oberschwester war streng dahinter dass alle Patientinnen jeden Tag gebadet oder geduscht werden. Deshalb hat man bei uns nichts gerochen das wir auch Inkontinente Patienten besaßen. Es gab zwei Säle wo ständig liegende Patientinnen gelegen sind. Wir hatten eine junge Patientin mit einem Riesen Wasserkopf. Öfters habe ich geglaubt mir bleibt das Herz stehen wenn diese sich im Bett rückwärts fallen und wirklich um Haaresbreite an dem Metallrahmen am Kopfende vorbei geschrammt ist. Oder wir hatten eine Patientin diese hatte ein furchtbar scharfes Gebiss mit unheimlicher Schließkraft. Wenn man da nicht aufgepasst hat wurde man blitzartig angegriffen und es floss sofort Blut. Meine linke Hand 2. Finger hat so ein Andenken. So schnell konnte man nicht weg sie bis zu blitzartig wie eine Kobra. Ich könnte alleine von dieser Abteilung ein ganzes Buch schreiben. Das eine Muss ich noch schreiben. Eines Tages hat mich eine Patientin lauthals im Bad gefragt: „Haben sie sich schon satt gesehen an den Frauen???“ Jetzt hieß es schnell zu schalten. Meine spontane Antwort war: „Sobald ich hier durch die Eingangstüre gehe bin ich ein geschlechtsloses Wesen!!!“ meine Oberschwester hat das gehört und hat sich vor Lachen gewunden. Ab diesen Tag hieß es bei mir immer: “PETER DAS GESCHLECHTLOSE WESEN“.
Was hätten sie dazu ganz spontan geantwortet???

Nach diesem Pavillon wurde ich auf den geschlossenen Sicherheitspavillon Pav 23. Abteilung für geistig abnorme Rechtsbrecher versetzt.
Gina und ich wir waren ja schon geprüfte Stationsgehilfen und waren auch schon ins Beamtenschema übernommen. Deshalb haben wir angesucht um Zulassung zur Diplom Schule. Dreimal angesucht und dreimal nicht genommen. Nun ja das habe ich mir ja gedacht. Es wurden immer neue Ausreden gefunden um uns nicht zu nehmen. Platzmangel, schlechte Dienstbeschreibung, oder zu spät angesucht.
Nun auf diesem Justizpavillon war es super zu arbeiten. Wir hatten eine Spitzen Führungsriege. Der Oberpfleger ein Kärntner, sportlich und wirklich streng und gerecht. Alle Pfleger so in meinem Alter und ein bisschen älter. Es gab aber zwei Herren Diplom Pfleger welche immer drauf bestanden haben im 1. Stock Dienst zu machen. Im Parterre war die Sicherheitsabteilung dann die Station wo einige Patienten in der Gärtnerei gearbeitet haben. Der Rest ist dann in den Keller zur Arbeitstherapie gegangen. Am ganzen Pavillon war es ein ungeschriebenes Gesetz KEINE ANGST zu zeige egal was passiert. Das zweite Gesetz war nie Alleine in die Sicherheitsabteilung gehen. Da musste ein zweiter Kollege oder ein Justizbeamter mitgehen. Oder mit einem Patienten alleine über das Stiegenhaus in den Keller gehen. Drittes Gesetz war immer absperren und die Schlüssel einstecken.
Die Jahre 1978 bis 1980 war ich ein paar Male im Spital. Einmal wegen meines Bandscheibenschadens und dann wegen Vorhofflimmern und einem Schlaganfall. Ich bin froh dass ich Prof. Schillinger als Internisten und Angiologen habe. Wenn ich ins Spital muss liege ich meistens in der Wiener Privatklinik in einem Einzelzimmer welches jeden Komfort bietet. Wichtig ist dass ich meinen Laptop mitnehmen kann und somit ständig erreichbar bin.


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