Familie Rieck-Wien

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1963-1965 Kaiser Ebersdorf

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16.5.1963 Aktenvermerk                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Bewährungshelfer teilt mit, dass der Minderjährige seit 14.4.1963 im Hotel Post in St. Wolfgang in Arbeit steht. Nach Aussage des Minderjährigen ist die Großmutter Alkoholikerin die Mutter sehr um eine Lebensgemeinschaft oder Ehe bemüht. In der Wohngegend sind auch die Homosexueller Verfehlungen des Minderjährigen bekannt. Der fluchtartige Arbeits- und Wohnungswechselbist daher eine verständliche Reaktion. Der Jugendliche wird mit Weisung vom 10.5.1963 vom Bewährungshelfer Erich Deschermaier betreut.
16.1.1964                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Lt. Beschluss vom 14.1.1964 wurde der Minderjährige gemäß §2,28 JGG 1961 in die Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige nach Kaiser Ebersdorf eingewiesen. Die angesetzte Bewährungshilfe wird mit Beschluss gemäß §20 Abs.2JGG/1964 aufgehoben.
18.2.1964                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          KM mit ihrem neuen Gatten im Amt vorgesprochen. Der Gatte will die Vormundschaft über den Minderjährigen übernehmen. An den Jugend Gerichtshof verwiesen, jedoch erklärt das kaum eine reale Chance besteht, dass er die Vormundschaft erhält. KM scheint am Minderjährigen nicht sonderlich interessiert, hat selbst Schwierigkeiten mit ihrer Mutter.
31.3.1964                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Der Minderjährige wurde gemäß §2,28 JGG 1961 in die Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige nach Kaiser Ebersdorf eingewiesen. Die angesetzte Bewährungshilfe wird mit Beschluss gemäß §20 Abs.2JGG/1964 aufgehoben.
18.1.1965                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           Anfrage der Bundeserziehungsanstalt Kaiser Ebersdorf langt ein, ob der Minderjährige zur Mutter entlassen werden kann.
FÜHRUNGSBERICHT:Die Führung des Zöglings war vom Anfang an klaglos. Im Laufe seiner Anhalte Zeit verstieß er kein einziges Mal gegen die Hausordnung.
In der Gruppe galt er als Träumer und Sonderling. Sehr guter Kontakt zum Erzieher. Sein Bedürfnis nach Sauberkeit und Ordnung war allerdings lange Zeit hindurch dürftig. Erst in den letzten Monaten gab er sich sichtlich Mühe auch in dieser Hinsicht zu entsprechen. Die Chance einer probeweisen Entlassung sollte ihm geboten werden.
15.2.1965 Hausbesuch                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       KM seid Jänner 1965 von ihrem Gatten August Tschermenek gerichtlich geschieden. Sie arbeitet als Hilfsarbeiterin bei der Firma Czettl Metall und Plastikwarenfabrik 15. Arnsteingasse 31. Die Wohnung welche sie mit der Großmutter Marie Rieck bewohnt besteht aus Zimmer und Küche, ist einfach eingerichtet, doch sehr sauber gehalten. Für den Jugendlichen steht ein eigenes Bett zur Verfügung. Die KM und Großmutter sind bereit den Minderjährigen zu sich aufzunehmen.
16.2.1965                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Rücksprache mit dem Bewährungshelfer Erich Deschermaier. Er wird wieder die Betreuung übernehmen. Peter kann sofort nach der Entlassung bei der Firma AUSTROSTOCK Litschauer Johann Wien 15. Johnstraße 5-6 wo er schon vor der Einweisung beschäftigt war, wieder als HA beginnen.
19.2.1965                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           Bericht an Kaiser Ebersdorf Schilderung der Verhältnisse. Es besteht kein Bedenken die Entlassung des Minderjährigen zur KM nicht zu gestatten.
16.3.1965                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Mitteilung an den Jugendgerichtshof Zl.16Ns 2028/65 Minderjährigen kann lt. Beschluss des JGH Az: 3a Vr1434/62 probeweise nach Wien 15.Felberstraße 106/3/38 entlassen werden. Minderjähriger steht unter Aufsicht des Bewährungshelfers Erich Deschermaier. (Anfrage wegen Führung) Der Minderjährige arbeitet bei der Firma AUSTROSTOCK als HA.
5.7.1965                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Bericht vom Bewährungshelfer Deschermaier Erich bezüglich des Minderjährigen langt ein. Darin wird berichtet dass der Junge bei seiner Großmutter wohnt. (KM ist in Vorarlberg in Hard am Bodensee).
Minderjähriger ist bei der für ihn vorbereiteten Firma tätig. Arbeitet nahezu klaglos. Bekam von dem Firmeninhaber firmeneigenes Moped für Privatfahrten. Beschäftigt sich in der Freizeit mit Moped. Kontakt zu dem Jugendlichen ist recht gut. Arbeitshaltung hat sich positiv geändert, kommt regelmäßig in die Sprechstunden. Eine echte Beeinflussung scheint nicht gegeben zu sein. Er liebt es mit seinem Wissen u prahlen. Original im Hand Akt.

LE Zusatz 05 1963-195 KE
Bei der Verhandlung wegen dem Moped Diebstahl bekam ich 6 Wochen Arrest bedingt auf drei Jahre und zur Unterstützung einen Bewährungshelfer. Den Bewährungshelfer den ich bekam der war sehr gestresst. Er war froh wen ich einmal in der Woche angerufen habe. Sonst nicht von ihm gesehen.
Da ich mich wieder jeder Kontrolle entzogen und bin nach St. Wolfgang wo ich im Hotel Post als Küchenhilfskraft tätig war. Es war sehr schön ich hatte mein eigenes Zimmer. Essen gratis und Logis ebenso. Nur mit der Bewährungshilfe bekam ich Probleme.
Ab Mai 1963 bekam ich dann einen neuen Bewährungshelfer. Mit diesem habe ich mich sofort gut verstanden. Er hörte zu und nahm an meinem Leben teil. Deshalb habe ich ihn dann auch immer als meinen Ersatzvater bezeichnet.
Es wurde nun die Fürsorgeerziehung aufgegeben und an das Jugendgericht verlegt. Hier kam es dann zu dem Beschluss dass ich in die Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige in Kaiser Ebersdorf im 11. Bezirk eingewiesen werde. Zugleich wurde die Bewährungshilfe aufgehoben. Ich habe mir aber vorher noch Ratschläge vom Reservevater geholt.
Um zu verhindern dass die Polizei mich von zu Hause holt habe ich ausgemacht ich fahre selbst nach KE (Kaiser Ebersdorf). Das habe ich auch getan. Jedoch in KE ist noch kein Beschluss aufgelegen. Um nicht wieder nach Hause geschickt zu werden habe ich gebeten dass man meinen Reservevater anruft. Was auch geschehen ist. Dieser hat bestätigt dass die Einweisung ausgesprochen wurde und er diesen Beschluss spätestens binnen 24 Stunden beibringt.
Somit hatte ich einen absoluten Pluspunkt gehabt. Ich sollte es in Laufe meiner Anhaltung immer wieder bemerken. Auf der Aufnahmsgruppe blieben alle mindestens ein Monat um sich zu beruhigen und den Tagesablauf kennen zu lernen. Ich blieb jedoch länger auf dieser Gruppe. Ging aber nach 14 Tagen schon arbeiten. Als Kanzleireiniger mit einer älteren Dame. Ich hatte durch diese Tätigkeit ständigen Kontakt mit dem Kommandanten und den Erziehern und auch mit dem restlichen Personal. Ich hatte auch leicht die Möglichkeiten zu Informationen zu kommen welche für die Mitinsassen oft sehr wichtig waren. Es fand ja jeden Monat eine Entlassungskommission statt. Hier entschied es sich Entlassung oder weitere Anhaltung.
Als nächste Arbeit wurde ich in die Wäschekammer eingeteilt. Dort hatte ich das Handling der Schmutz und Reinwäsche über. Dies hatte den Vorteil dass ich immer mir ganz Neue Hemden und sonstige Wäsche nehmen konnte. Da ich immer sehr gerne frisch angezogen sein wollte war dies Ideal für mich. Es brachte mir auch Vorteile. Wenn ich ein Brot von der Bäckerei wollte habe ich der Bäckergruppe immer Neuwäsche zukommen lassen. Ebenso der Küchengruppe. In der Küche bekam ich jeden Tag Brotaufstriche, Käse oder Wurst. Immer wieder war es ein größeres Stück in meinem Säckchen. Ich habe auch immer den Austausch der Doppelliter Weinkisten gemacht. Weil die Strafgruppe im Kirchberg am Wagram sandte immer meinem Erzieher eine oder zwei Kiste. Der Wein wäre für mich locker erreichbar gewesen. Aber ich machte mir nichts draus. Das war mein nächster Pluspunkt. Mir hat jemand in den Kopf gesetzt ich solle um eine gnadenweise vorzeitige Entlassung ansuche. Habe ich wohl getan aber es wurde abgelehnt. Im Augenblick war ich sicher enttäuscht. Aber hier sah ich dass es nicht immer nach meinen Wünschen ging.
Mein Reservevater war oft in der Anstalt so konnte ich mich nach seinen Tipps richten. Ich habe ihn gebeten dass er es auf die Wege bringt dass ich ihn wieder als Bewährungshelfer. Seine Chefin die Frau Hofrat war mir auch sehr gut gesinnt und ich konnte bei meiner Entlassung auf meinen Reservevater rechnen. Ich selbst habe es noch während meiner Anhaltung geschafft bei der Firma wo ich vorher gearbeitet habe wieder anfangen zu können. Das war mein nächster Pluspunkt deshalb ging meine Entlassung aus KE auch so gut und komplikationslos über die Bühne.
Mein Onkel der am Penzinger Verschiebe Bahnhof gearbeitet hat mir gesagt dass die Eisenbahn Leute sucht und das wäre eine gute und sichere Arbeit. Ich habe mich vorgestellt und wurde sofort genommen weil hier auf diesen Bahnhof war mein Großonkel schon Aufsichts Verschubmeister, mein Großvater ebenso und mein Onkel Weichen und Stellwerkswärter. Ich begann als Weichenschmierer. Ich war für sämtliche ferngesteuerten und handbedienten Weichen im Bereich der Weichenposten 1 und 2 zuständig.




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