Familie Rieck-Wien

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1953-1955

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29.1.1953 Hausbesuch                                                                                                   
Kind ist gesund, kommt in der Schule mit, unveränderte Verhältnisse.
28.5.1953                                                                                               
Kind kommt angeblich in der Schule mit, Hefte jedoch recht schlampig, zur netteren Form angehalten. Peter für die Tagesheimstätte Knödelhütte vorgemerkt.
26.8.1953                                                                                                      
Kind war in der Tagesheimstätte Knödelhütte angeblich wurde er von andere Buben geschlagen. Die Großmutter hat Bedienungen. Peter spielt vor dem Haus.
16.2.1954 Aktenvermerk                                                                   
Magistratsabteilung 11 teilt mit, dass die Großmutter in sehr ärmlichen Verhältnissen lebt ob keine Möglichkeit einer Unterstützung besteht??
16.2.1954                                                                                            
Kind in den städtischen Hort eingewiesen, ermäßigt auf 2,50 Schilling monatlich. Großmutter erhält Alimente vom geschiedenen Gatten und hat gelegentlich Aushilfsreinigungsarbeiten. Peter soll in der Schule schlecht mitkommen. Es sind ständig Klagen aus dem Schulbereich. Schulbericht einholen.
26.2.1954 Schule                                                                                                       
Peter weist keine besonders gute Lernerfolge auf. Besonders Unterrichtssprache und Schreiben ein GENÜGEND (4). Der Schüler ist sehr unaufmerksam, verspielt, schwatzhaft, und nimmt sich die Ermahnungen des Lehrers wenig zu Herzen. Geht über Belehrungen des Lehrers leichtfertig hinweg. Sein häuslicher Fleiß lässt zu wünschen übrig. Hat selten seine Hefte in Ordnung. Besitzt zeitweise phantastische Phantasie, erzählt oft die unglaublichsten Dinge. Schulbesuch ist gut jedoch er kommt jedoch öfters zu spät und hat ständig neue Ausreden dafür.
26.5.1954
Vierzig Schilling wird als Beihilfe zum Kauf einer Ober Hose für Peter zu Händen der Großmutter Marie Rieck beantragt. KV ist unbekannt, die KM ist wiederverheiratet und zahlt nur die Kinderbeihilfe. Die Großmutter ist geschieden und erhält im Monat nur 280,-Schilling monatlich Alimente und Reinigungsgeld 110.- Schilling monatlich.
4.6.1954
Kind wurde für Erholung vorgeladen, besucht derzeit den Hort nicht, da Wechselunterricht in der Schule ist.
27.8.1954
Peter hat sich im Schloss Lehenhof bei Scheibbs in Niederösterreich gut erholt, wird ab Herbst den Hort besuchen, die Großmutter hat weiter Bedienungen.KM besucht den Jungen regelmäßig.
20.9.1954  
Peter in den Hort Cumberlandstraße 91 eingewiesen, ermäßigt auf 31.- Schilling im Monat. KM kümmert sich nicht um das Kind, zahlt keine Alimente monatlich. Großmutter ist geschieden erhält 280.- Schilling Alimente und 110.- Schilling Reinigungsgeld monatlich.

1.3.1955 Schulnachfrage                                                                                          
Peter besucht regelmäßig die Schule, ist nett und sauber gehalten, ist aber lernmäßig sehr schwach. Peter brachte eine Zeit lang keine Hausaufgaben. Nach der Vorladung der Großmutter geht es wieder besser. Der Klassenlehrer bemüht sich sehr um den Buben, übt oft mit ihn nach dem Unterricht.
3.4.1955  
Niemanden zu Hause angetroffen. Großmutter soll angeblich mit dem Buben spazieren gegangen sein. Peter soll ein sehr lebhafter, lauter Bub sein nach Aussage einer Hauspartei (Frau Major Reif)
3.5.1955 Schulklagen
Peter ist sehr schlampig, schmiert, lässt das Kontrollheft nicht immer unterschreiben. Peter strabanzt nach der Schule 1-2 Stunden auf der Straße umher. Großmutter ist angeblich nur von 13 bis 13:30 Uhr zu Hause anzutreffen, dürfte in den Bedienungen sein. Großmutter ist wieder umgezogen in die Cumberlandstraße 71 wo sie wieder einen Hauswartposten bekommen hat. Die Wohnsituation ist noch beengter. Küche und Kabinett. Peter übernachtet gelegentlich bei der Mutter, hastet dann ums Frühstück zur Großmutter, kommt daher zu spät zum Unterricht. Klassenlehrer meint dass er einen Hort besuchen sollte.
4.5.1955
Mit der Großmutter die Schwierigkeiten besprochen. Großmutter bemüht sich um das Kind, ist aber nervös, durch die vielen Bedienungen überlastet. Verspricht aber den Buben noch mehr zu kontrollieren und mit der KM zu reden, damit der Bub, wenn er bei ihr übernachtet pünktlich zur Schule kommt. Hort wird abgelehnt.
5.5.1955                                                                                                                       
Kinderkarte wird zuständigkeitshalber an den Sprengel T   abgetreten. Vormund davon verständigt.
13.7.1955                                                                                         
Kind wurde heute auf Grund der Erziehungsbesprechung-Gutachten der Kinderübernahmsstelle überstellt.KM verheiratet, kümmert sich nicht. Das Kind war immer in Pflege der Großmutter, diese kann Peter nicht entsprechend beaufsichtigen da sie Bedienungen hat. Schulschwierigkeiten!!!
29.8.1955                                                                                           
Großmutter kommt ins Amt, bittet um Unterbringung des Buben ins Kinderheim „PETERLE“. Großmutter fühlt sich dem Jungen nicht gewachsen. Er strabanzt viel herum .Großmutter hat Bedienungen kann ihn daher nicht entsprechend beaufsichtigen und die Aufgaben zu überwachen. Sehr lern faul! Für den 1.9. zur Erziehungsberatung.

1.9.1955  ERZIEHUNGSBERATUNG
Intellektuell durchschnittlich (IQ99) gemütlich anscheinender gut ansprechbarer, aber noch sehr infantiler und wenig halt fest wirkender Bub. Peter ist durch unzureichende Führung in den bemühten jedoch unzulänglichen Verhältnissen (berufstätige alte Großmutter, finanzielle Schwierigkeiten) charakterlich überfordert und droht bei Belassung charakterlich zu verwahrlosen. Einvernehmlich mit dem Wunsch der Großmutter wird Überstellung beantragt. Kinderheim „PETERLE“ (Typus indifferent leicht externe Schule möglich.
7.9.1955  Überstellungsbogen an die Kinderübernahmsstelle.
20.9.1955                                                                                                                   
Peter stört den Unterricht, muss immer nachsitzen weil er bei Schreibarbeiten nicht mitkommt!
3.10.1955                                                                                
Großmutter bittet um eheste Überstellung. Schulhefte sehr schlampig. Peter gesund, heute aber recht blass.
4.10.1955                                                                                                    
Auskunft der Kinderübernahmsstelle eine Unterbringung im Kinderheim „PETERLE“ aussichtslos. Kind wird dem Kinderheim „LACKNERGASSE“ zugewiesen.
11.10.1955
Kinderübernahmsstelle teilt mit das Peter am 13.10.1955 überstellt werden kann. Einweisung in das Kinderheim „Anna Sauer Stiftung. Ein Privatinternat der Kreuzschwester.
11.10.1955
Großmutter verständigt. Peter freut sich auf das Heim.
13.10.1955 Das Kind wurde heute überstellt.
15.10.1955                                                                                     
Schule und Vormund von der Überstellung verständigt.
25.11.1955                                                                         
Niemanden angetroffen. Großmutter ins Amt bestellt.
26.11.1955                                                                           
Großmutter kommt ins Amt, erklärt den Buben in 14 Tagen wieder heraus zu nehmen, weil sie mit dem Heim sehr unzufrieden ist. Peter erzählt dass er bei einer Rauferei von einem anderen Zögling blaugeschlagen und gebissen wurde. Außerdem hat Peter erzählt dass er das Klo und Gänge waschen muss.
26.11.1955                                                                                                                  
KÜST Frau Steinböck telefonisch von den Angaben der Großmutter in Kenntnis gesetzt. Großmutter wird vorgeladen werden.
22.12.1955                                                                                               
Die KM lebt mit ihrem Gatten in unharmonischer Ehe. Der Mann gibt der Frau wöchentlich 270.- Schilling womit sie die gesamten Haushaltskosten (2 Erwachsene und 1 Kind) inklusive Zins, Gas und Licht zu bestreiten hat. Er ist Kartenspieler, hält sich viel in Gasthäusern auf und kümmert sich auch Sonntag nicht um seine Familie. Er hat zu seinem Stiefsohn nicht die mindeste Beziehung. Das Kind hat angeblich großes Heimweh und möchte gerne zur Großmutter zurück. Die KM möchte das Kind nicht in die derzeit herrschende ungute Familiensituation bringen. Sie trägt sich mit dem Gedanken sich scheiden zu lassen.
22.12.1955 Erziehungsbesprechung                                                                
Großmutter und KM die zur Besprechung sahen – zumindest in der Aussprache die Zweckmäßigkeit des weiteren Heimaufenthaltes ein. Da die Überstellung einvernehmlich mit der Großmutter erfolgte, die sich selbst um Hilfe wandte, wäre von einer Gerichtsmaßnahme dringend abzuraten. Es muss das Kind auch vom Urlaub zu Hause wieder rechtzeitig ins Heim zurückgebracht werden.
27.12.1955                                                                                 
Rücksprache mit dem Bezirksjugendamt Penzing, In der Erziehungsbesprechung vom 22.12.1955 wurde einvernehmlich mit Mutter und Großmutter festgelegt, das der Bub aus erzieherischen Gründen in dem Heim verbleiben soll. Die Großmutter hat Gelegenheitsverdienst und kann das Kind nicht entsprechend beaufsichtigen und ist mit dem schwierigen Buben auch erzieherisch in keiner Weise gewachsen .Das Kind würde bei der Großmutter gänzlich verwahrlosen.

Nun schreibe ich auch meinen Kommentar zu allen Eintragungen. Diese Kommentare sind alle in dieser Schrift geschrieben.
4.2.1946   Ja der erste Mann meiner Mutter ist jung im Lazarett in Deutschland verstorben. Erst als es sich nicht mehr rechnerisch ausging hat meine Mutter das Märchen mit der Vergewaltigung durch einen Russen als meine Zeugung angegeben. Dies war gerade zu dieser Zeit wenn ein uneheliches Kind kam immer ein Russischer Soldat. Auf Fragen von mir kam immer entweder Schweigen oder die Version mit der Vergewaltigung. Ich sollte die Wahrheit von einem guten Freund meiner Mutter erfahren. Diese Version war dann auch für mich nachvollziehbar. Ich wurde ja sehr lange als eheliche Geburt angesehen und trug auch im Geburtsdokument den Namen HOLEK.
Erst als alle Dokumente eingebracht und kontrolliert waren bekam ich den Ledigennamen der Mutter. So lange ich die Brust bekam war ich in Kontakt mit meiner Mutter. Aber sofort nach dem abstillen wurde meine Großmutter (Mutter meiner Mutter).
14.3.1946 Hier bemerkt die Fürsorgerin bei ihrem Hausbesuch dass kein großes Interesse meiner Mutter an mir festgestellt wurde und ich von der Großmutter ausgezeichnet gepflegt wurde. Ich muss es hervorheben meine Großmutter war eine Reinlichkeitsfanatikerin. Bett- und Leibwäsche wurde mindestens einmal in der Woche gewaschen. In der Wohnung wurde der Schiffbodenbretterboden sehr oft geschrubbt. Die Bretter waren fast weiß.
16.10.1947 Ja sie hat geheiratet. Es ging ja sehr rasch. Das mit der Vormundschaftsübernehme war nur ein Störmanöver meiner Mutter. Damals wusste sie noch nicht dass sie bald wieder geschieden ist.
11.10.1948 Was war hier im Anzug. Der Stiefvater ist wortkarg und an mir sehr wenig interessiert. Ich kann mich wirklich nicht erinnern dass mich jemals der Stiefvater hoch gehoben hat. Ich war nur die Zuwaage!!!
Seit heute bin ich auch als unehelich geboren eingetragen und heiße nun Peter Oskar Rieck.
20.5.1950 Nun ist im April meine Halbschwester Renate Wiesinger zur Welt gekommen. Zu dieser Zeit war es mir ja noch egal meine Schwester. Nur etwas später gab es die ersten Komplikationen. ! Warum?? Ganz einfach meine Schwester hat mir alles zum Teil weggegessen. Ihre Backen sahen so aus wie die eines Pavian wenn er einheimst was geht. Ich kann mich noch erinnern wie Mama und eine Banane gegeben hat. Sie hat ihre fast verschlungen und war fertig. So schnell konnte ich nicht reagieren hat sie über den Tisch gelang und begann meine Banane auch zu verschlingen. Von da an habe ich mich weit weg von ihr gesetzt wenn es etwas zum Essen gab.
Meine Mutter ist eine Zeit weg gezogen in die Schule in der Selzer Gasse wo sie Schulwartin war. Wenn ich in die Selzer Gasse geholt wurde gab es immer Badetag. In der Waschküche war ein großer Ofen mit einem Kupferkessel wo ich mich hineingesetzt habe. Das Wasser wurde wenn es schon heiß wurde mit kaltem Wasser vermischt unter mir war das Holzfeuer. Wenn ich daran denke habe ich wieder den feinen Duft der Lavendelseife in der Nase. Ich war immer schon schwer aus dem Wasser zu bekommen.
22.8.1950 Dieser Eintrag spricht ja sehr viel aus. Dem habe ich nichts hinzu zu fügen.
2.1.1951 Ich habe sehr oft Mittelohrentzündung gehabt. Das einzige Mal wo ich damit ins Spital kam war Zusätzlich eine schwere Bronchitis.
Der Umzug in die Penzingerstraße war fein. Das Haus war erst fertig geworden und fast noch nicht bezogen. Es roch noch nach Farbe und Lack. Diese Wohnung bestand aus einem kleinen Wohnschlafzimmer und einer Küche welche über eine sehr steile Holztreppe zu erreichen war weil sich diese im Keller befand. Wasser und WC waren im Keller zu finden. Ich habe mich immer gefürchtet im Keller aufs WC zu gehen.
In dem Haus wohnte im Hochparterre Frau Major Reif, dann ein Ingenieur der fast nie zu Hause war. Im Ersten Stock der Hausherr Familie Hartmann  und Dr.Neuschl (Zahnarzt) mit Gattin (Opernsängerin).
Einen Stock höher wohnte die Frau Ingenieur Wallner mit ihrem Sohn Peter. Er ging in das Gymnasium Ast Gasse. Er hatte ein kleines 15qm großes Kabinett nur für seine MÄRKLIN Eisenbahn. Ich durfte gelegentlich hinauf zum Spielen. Am schönstes war es wen es finster war und die ganzen Lichter der Anlage schön zu sehen waren. Die Häuser, die Signale und die Züge. Da lief oft die Zeit wie im Flug.
Wir haben hier wirklich nur das allerwichtigste Mobiliar gehabt aber es war schön. Oft denke ich noch an die wunderbaren Volldaunen Tuchent und Pölster. Im Polster ist man versunken. Im Winter war es eine Wohltat im Bett unter der Daunen Tuchent zu liegen.


23.5.1951   Ich wollte zeigen das ich schon Fahrradfahren konnte, habe mich überschätzt und bin in einer Kurve hingefallen und leider unglücklich mit dem Kopf auf den Randstein. Klar war es eine schwere Gehirnerschütterung. Die Schwestern haben mich auf dem Gang mit dem Bett direkt unter das Telefon gestellt. Jeder Klingelton war für mich eine Tortur. Klar war ich froh Ruhe zu haben. Da konnte ich wirklich nicht in den Kindergarten gehen. Meine Weigerung ins Erholungsheim zu fahren war die Angst meine geliebte Oma länger nicht zu sehen. Es gab nichts Schöneres als meine Großmutter. Dadurch dass Oma nicht viel Geld hatte bekamen wir immer wieder Pakete von der Fürsorge. (Care Pakete).
Meine Großmutter ist gesund, muss aber zum Gesundheitsamt zur Untersuchung wegen der amtlichen Bewilligung der Pflegestelle. Sie drückt sich solange bis man ihr meine Abnahme androht. Das ist das einzige Argument was sie zulässt.
Über den ganzen Sommer bin ich im Strandbad Penzing gewesen. Gegenüber unserem Haus war der Wirt vom Penzinger Stüberl. Dieses Gasthaus hatte unten im Bad einen großen Garten wo die Leute vom Bad Essen gingen. So kam ich gratis ins Bad. Dadurch war ich so Braun. Einmal bin ich in der Sonne eingeschlafen und habe einen Sonnenstich und einen noch ärgeren Sonnenbrand gehabt. Oma hat mich ins verdunkelte Zimmer gelegt und den Sonnenbrand mit kalten Umschlägen einmal so halbwegs abgekühlt und dann frischen Topfen darauf gegeben und es hat zwei Tage gedauert bis ich begann mich zu häuten. Das ist mir nur einmal passiert.
2.1.1952 Ich soll nach Spital am Semmering auf Erholung für 5 Wochen. Ich betete dass es nicht sein soll. Ich habe der Fürsorgerin meine Weihnachtsgeschenke gezeigt. Das waren vier verschiedene Stoffbahnen für neue Hemden. Wo meine Großmutter diese Hemden nähen lies hat sie nie verraten. Aber die Hemden haben immer wie angegossen gepasst. Dann habe ich endlich auch eine Eisenbahn bekommen. Anfangsgarnitur von KLEINBAHN. 1 Dampflok und drei zweiachsige Güterwagon und einen Gleiskreis. Die Lokomotive war zum Aufziehen. Nur die Feder hat nicht lange gehalten. Die Christbäume in der Penzingerstraße waren immer sehr hoch weil der Raum ja eine Höhe hatte von 4 Meter. Meine Großmutter machte den Schmuck auch selber mit Stanniolpapier und Seidenkrepp. Dann kamen viele Flascherln drauf und Schokolade, Fontantringe, Windbäckerei. Ein Traum jedes Kinderherzes. Die Äste haben sich gebogen. Dann viele Kerzen und Sternspucker. Bei der Bescherung war das Zimmer dunkel die Kerzen haben gebrannt und die Sternspucker haben das Ganze mit den Sterblitzen erhellt und im Radio was Stille Nacht u hören.
Zu dieser Zeit war es ja schon ganz sicher Mitte November alles mit Schnee bedeckt. Wir Kinder konnten oft bis über die Knie im Schnee waten. Es waren am Straßenrand die Autos ganz arg zugedeckt. Der Schneepflug tat dann noch das seinige dazu dass die Autos wie eingemauert waren. Die geschaufelten Parkplätze wo jemand weggefahren ist waren oft sogar mit Fäusten erkämpft. Wir Kinder konnten bei den Straßenübergängen nur ganz zaghaft auf die Straße gehen um diese zu überquere. Die Onno Klopp Gasse zwischen Penzingerstraße und Hadikgasse war unsere Rodelstraße. Ganz offiziell sogar. Die großen Buben haben sich sogar eine Eisrutsche über die ganze Gasse errichtet. Ich übermütig wollte von unten nach oben gehen. Nach drei Metern hat es mich in der Steigung vorne über auf diese Eisbahn gehauen bin mit dem Mund auf einen Eisbrocken gefallen. Ergebnis wackelnde Zähne. In Folge fast jede Woche einen Zahn verloren. Gut das es nur das  Milchgebiss war. Es gab die wildesten Schneeballschlachte. Solange bis ein Bub den Schneeball vereist hat und einen Passanten im Gesicht getroffen hat. Vermutliche Augenverletzung ab ins Spital. Auch zu meiner Zeit gab es schon Idioten aber meist aus Übermut. Es gab aber auch nette Dinge. In den Adventwochen sind wir Buben von einem Haus zum anderen gegangen. Haben ein Weihrauchgefäß mitgenommen welches uns der Pfarrer geborgt hat. Kohlen und Weihrauch ebenso. So sind wir räuchernd durch die Häuser gegangen und haben Weihnachtlieder gesungen. Dafür haben wir immer Kleinigkeiten bekommen. 1 Schilling BENSDORP Schokolade, Nüsse Kekse. Es hat Spaß gemacht und es wurden dabei auch so manche UNTAT von den Leuten vergeben. Untaten waren kleine Scherze. Glöckerlpartie. Oder etwas zu laut im Hof gespielt. Früher war es ja nicht so wie heute das bei jedem Haus ein Riesen Zaun war. Nein man konnte von jedem Haus des Häuserblocks in den Hof gehen.

6.5.1952 Die Bemerkung Kind ist oft auf der Straße. War nicht richtig weil die Fürsorgerin mich nicht angetroffen hat war ich für ihren Begriff auf der Straße6.5.1952 Die Bemerkung Kind ist oft auf der Straße.. Dem war aber nicht so. Ich war sehr oft bei Franz Onkel in der Penzingerstraße 121 und eventuell auch bei meiner Urgroßmutter welche in der Amortgasse gewohnt hat. Da es nur die Kinder im Gemeindebau gab und die eine feste Gruppe waren wäre ich sicher nicht hinein gekommen.
8.9.1952 Da meine Großmutter ein übergroßes Herz für Ihren Sohn (Onkel Ossi) und mich hatte und meine Mutter ach oft um Geld betteln kam war sie immer sehr knapp bei Kasse, Wenn es oft nicht gereicht hat ist sie mit allen möglichen Dingen ins Pfandhaus gegangen. Oft konnte sie nicht auslösen sondern nur verlängern. Nicht einmal war es so dass sie ihre Sachen nicht mehr als einen geringen Auktionserlös bekommen hat. Jetzt sollte ich aber zur Taufe gehen. Da sollte ich aber fein gekleidet sein und nicht als ärmlicher Junge aus der Gruppe rausstechen. Ich bekam eine dunkelblaue Hose und ein cremeweißes Sakko. Ich war wirklich fein beisammen.  So musste meine Großmutter immer wieder beim Amt um Unterstützung bitten. Sie wollte das nie weil sie hat einen eigenen Stolz. Da würde sie lieber noch eine weitere Bedienung annehmen.
14.9.1952 Mein Tauftag. Tage vorher war ich schon sehr aufgeregt ich musste die Taufformel auswendig lernen. Am Samstag 13.9 war die Generalprobe. Nur ohne Musik.
Am Tauftag ging ich mit weichen Knien in die Sakristei wo der Pfarrer und die zwei Kapläne auf mich warteten. Die Taufe fand vor einem Hochamt statt. Die Kirche war zum bersten voll. Nach der Taufe wo ich nur ein einziges Mal mit dem Text hängen  geblieben bin musste  ich im Altarraum warten bis sich die Geistlichen umgezogen haben.
Nun wurde es sehr feierlich. Es wurde von Mozart die Krönungsmesse gespielt und gesungen. Ich durfte auch das erste Mal ministrieren. Nach der Messe habe ich gehört wie eine Dame gesagt hat so eine feierliche Taufe hat sie noch nie gesehen. Ja das war das Werk der Großtante Maria (Filialleiterin der N.Ö. Molkerei.) Sie hat die ganze Zeremonie bezahlt (Orchester und Chor).
Dies ist auch das Problem dass mich immer wieder verfolgt. Wenn ich von meiner Taufe erzähle sagen alle an das kann ich mich nicht erinnern weil da bin ich noch in der Babydecke gesteckt. Wenn ich dann noch die Krönungsmesse erwähnt habe hieß es immer :“ Der junge schneidet auf und hat eine rege Phantasie“. Meine Großmutter hat immer wieder die Dokumente vorgelegt, Dann haben Leute gesagt sie haben sich erkundigt. Ich soll am Montag den 15.9 getauft worden sein. Das Dokument ist am Montag ausgestellt worden. Sie können es immer wieder verfolgen es geht wie ein roter Faden durch meinen ganzen Mündelakt. Neigt zur Lüge. Man hat gelesen und dann in derselben Tonart weiter geschrieben. Kein Mensch hat daran gedacht was ist wirklich? Sie haben mir nur geschadet. LEIDER!!
26.8 1953 Knödelhütte eine wirklich ausgezeichnete Anlage für Kinder konzipiert. Aber was war kann sich keiner Vorstellen. Jeden Tag irgendwelche Bandenkämpfe. Da wurde den schwächeren die Schulhefte versteckt oder gar weggeschmissen. Wer war es??? NIEMAND. Da bin ich lieber zu Hause und habe meine Ruhe.
Diese Phase in der Diesterwegschule ist mir bis heute ein Rätsel. Ich kann aber sagen dass ich schon immer ein akustischer Lerntyp war. Es schien das ich desinteressiert bin weil ich nicht so wild wie die anderen geschrieben habe. Jedoch bei Deutsch Schularbeiten war es immer ein echtes Fiasko.
Ich las immer bei der Benotung, wunderschön erzählt, genaue Wiedergabe aber wegen der vielen Rechtschreibfehler nur eine 4. Der Lehrer at es verstanden mich zu bewegen nach der Schule noch eine Stunde zu bleiben und Rechtschreiben zu lernen. Er hat sich sehr gefreut dass ich der einzige in der Klasse war der diese Schrift lesen konnte Ein schönes Buch habe ich gelesen! Meine Urgroßmutter hat mir diese Schrift lesen gelernt. Auch hier wieder der rote Faden Phantast, und Lügner.
13.10 1955 Nun bin ich bei den Kreuzschwestern. Als meine Großmutter die geistlichen Schwestern gesehen hat war ihre Abneigung gegen das Heim voll intakt.
Diese Bild von Sr. Waltraud ist ein Bild wo sie schon sehr alt war. Sie ist schon verstorben. Ebenso die anderen Beiden Nonnen. Sr. Magda wurde ins Josefinum in den 14. Bezirk versetzt nach dem ich aus dem Heim nach Retz überstellt wurde.

Ich war in dem Heim in der Hinterbrühl der Auslöser einer Scharlachepidemie. Ich kam in Quarantäne ins Kaiser Franz Josefsspital. Wurde mit der Rettung ins Spital gebracht. Damals war es noch üblich dass man mindestens 1 Monat auf der Infektionsabteilung gelegen ist. Dies hatte dann zur Folge dass ich die 4. Klasse Volksschule wiederholen musste.
Das Heim war nicht weit von der Seegrotte entfernt. Wir waren zweimal dort. Kurz vorher gab es noch die HÖLLDRICHSMÜHLE von der das Lied am Brunnen vor dem Tore herstammt. Es ist wirklich eine Linde am Brunnen vor dem Eingang. Dann war auch der HUSARENTEMPEL am Gipfel des Anninger.




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